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Lerne Lachen ohne zu weinen...
Tucholsky, Kästner, Reutter


Premiere: 12.3.1998, Holzhausenschlößchen, Frankfurt
Programmdauer ca. 1 Stunde, 30 Minuten





Lerne Lachen ohne zu weinen...

Dieses Motto, inspiriert durch einen Gedichtband von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1931, zieht sich als roter Faden durch ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm:

Die Chansons, Couplets und Gedichte stammen aus der Feder von Kurt Tucholsky (1890-1935), dem beißenden Satiriker, Erich Kästner (1899-1974), dem Moralisten und Pazifisten, und Otto Reutter (1870-1931), dem Humoristen und Vortragskünstler, der sein Publikum zu wahren Lachstürmen hinriß. Dieses geniale Dreigestirn hat auch im neuen Jahrtausend noch erstaunliche Leuchtkraft.





"Otto Reutter ist denen, die ihn noch auf der Bühne gesehen haben, als ein sympathischer Mann in Erinnerung geblieben, der seine Stielaugen merkwürdig verdrehen konnte, während er die komischsten Geschichten sang. In einem nie exakt sitzenden Frack trat er vor sein Publikum, verschränkte die Hände vor dem Bauch, neigte den Kopf etwas zur Seite und begann mit dem Vortrag seiner Couplets – seiner Couplets in zweifacher Hinsicht, denn er schrieb die Texte und die Melodien zu allen seinen Liedern selbst".

(aus: "Berliner Musenkinder" von Helga Bemman)




Die Stücke werden von Gabriele Kentrup eindrucksvoll und außergewöhnlich witzig interpretiert:

Das Programm:

Ein Klick auf die unterstrichenen Titel liefert Ihnen einen Auszug aus dem Originaltext des Liedes in einem separaten Fenster:

  1. Das Spielzeuglied
    (Erich Kästner/ Edmund Nick)

  2. Ick kann det Tempo nich vertragen
    (Otto Reutter)

  3. Augen in der Großstadt
    (Kurt Tucholsky/ Peter Fischer)

  4. Fang nie was mit Verwandschaft an!
    (Kurt Tucholsky/ Rudolf Nelson)

  5. Der Räuber-Hauptmann von Köpenick
    (Otto Reutter)

  6. Hunger ist heilbar
    (Erich Kästner/ Holger Münzer)

  7. Die Barfrau
    (Kurt Tucholsky/ Edmund Nick)

  8. Herbstlied
    (Erich Kästner/ Edmund Nick)

  9. Der Graben
    (Kurt Tucholsky/ Hanns Eisler)

  10. Fantasie von Übermorgen
    (Erich Kästner/ Paul Dessau)

  11. Der Überzieher
    (Otto Reutter)


    - Pause -


  12. Das Lied vom Kompromiß
    (Kurt Tucholsky/ Hanns Eisler)

  13. An das Publikum
    (Kurt Tucholsky/ Peter Janssens)

  14. In fünfzig Jahren ist alles vorbei
    (Otto Reutter)

  15. Das Leben ohne Zeitverlust
    (Erich Kästner/ Edmund Nick)

  16. Stoßseufzer einer Dame in bewegter Nacht
    (Kurt Tucholsky alias Theobald Tiger)

  17. Der Abschiedsbrief
    (Erich Kästner/ Kurt Weill)

  18. Ja, das mit der Liebe
    (Erich Kästner/ Edmund Nick)

  19. Nehm‘n Sie ‘n Alten!
    (Otto Reutter)

  20. Der Sucher
    (Kurt Tucholsky/ Bernhard Eichhorn)

  21. Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag
    (Erich Kästner/ Holger Münzer)

  22. Bevor du sterbst
    (Otto Reutter)





Das sagen die anderen...

Aktuelle Pressestimmen, Kritiken und Rezensionen zum Programm "Lerne Lachen ohne zu weinen" von Gabriele Kentrup finden Sie hier:

Pressestimmen und Rezensionen zu diesem Programm.





Leere
(Kurt Tucholsky):

Manchmal, wenn das Telefon nicht ruft, wenn keiner etwas von dir will, nicht einmal du selber, wenn die Trompeter des Lebens pausieren und ihre Instrumente umkehren, damit die Spucke hinausrinnt ... dann horchst du in dich. Und was ... dann ist da eine Leere. – Dann ist da gar nichts. Die Geräusche schweigen; nun müßte doch das Eigentliche in dir tönen ... Es tönt nicht. Horche, daß sich dir die Stirn zusammenzieht – vielleicht ist es gar nicht da, das Eigentliche? Überfüttert mit Geschäften, mit Besorgungen, mit dem Leben, wie? ...





Die Entwicklung der Menschheit
(Erich Kästner)

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt
bis zur dreißigsten Etage.

Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.





Karrieren
(Kurt Tucholsky)

Et jibt Karrieren, die jehn durch’n Hintern.
Die Leute kriechen bei die Vorjesetzten rin.
Da is et warm. Da kenn se ibawintern.
Da bleihm se denn ne Weile drin.
I, denken die – kein Neid! Wer hat, der hat.
Denn komm se raus. Denn sind se plötzlich wat.

Denn sind se plötzlich feine Herrn jeworden!





Danach
(Kurt Tucholsky)

Es wird nach einem happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.
Man sieht bloß noch in ihre Lippen
den Helden seinen Schnurrbart stippen,
da hat sie nun den Schentelman.
Na un denn - ?

Denn jehn die beeden brav ins Bett.
Na ja ... diß is ja ooch janz nett.
A manchmal möcht man doch jern wissen:
Wat tun se, wenn se sich nich kissn?
Die könn ja doch nich imma penn ... !
Na, un denn -?

Denn säuselt im Kamin der Wind.
Denn kricht det junge Paar ‘n Kind:
Denn kocht sie Milch. Die Milch looft üba.
Denn macht er Krach. Denn weent sie drüba.
Denn wolln sich beede jänzlich trenn ...
Na, un denn - ?

Denn is det Kind nich uffn Damm.
Denn bleihm die beeden doch zesamm.
Denn quäln se sich noch manche Jahre.
Er will noch wat mit blonde Haare:
Vorn doof und hinten minorenn ...
Na, un denn - ?

Denn sind se alt. Der Sohn haut ab.
Der Olle macht nu ooch bald schlapp.
Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit –
Ach, Menschenskind, wie liecht det weit!
Wie der noch scharf uff Muttern war,
det is schon beihnah nich mehr wahr!
Der olle Mann denkt so zurück:
Wat hat er nu von seinen Jlück?
Die Ehe war zum jrößten Teile
Vabrühte Milch un Langeweile.
Und darum wird beim happy end
im Film jewöhnlich abjeblendt.