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Wenn ich mir was wünschen dürfte...
Glanz und Glamour der 20er und 30er Jahre


Premiere: 2.4.2000, Theatercafé, Münster
Programmdauer ca. 1 Stunde, 30 Minuten





Friedrich Hollaender wäre gern Circusdirektor, kurz CD, geworden, schrieb er im Scherz. Statt dessen komponierte er Titel wie diesen und die Musik zum "Blauen Engel".

Glanz und Glamour der zwanziger und dreißiger Jahre leben auf: Nachtbar, halbleere Sektgläser, der Pianist im Vollnebel des Amusements. Und die Zuhörer werden mitgenommen auf eine turbulente musikalische Rundreise.





Frage: "Herr Hollaender, wie entsteht ein gutes Chanson?"

Antwort: "Also, man nehme eine Tüte voller Pariser Luft, eine Prise Berliner Witz, einen originellen Einfall (aber nur einen), fabuliere eine kleine Geschichte mit drei, vier Strophen und passe auf, daß die letzte Strophe mit der richtigen Pointe schließe".





In einem großen Bogen umspannt Gabriele Kentrup die goldenen Jahre und überzeugt mal als Vamp, mal als Berliner Göre:

Das Programm:

Ein Klick auf die unterstrichenen Titel liefert Ihnen einen Auszug aus dem Originaltext des Liedes in einem separaten Fenster:

  1. Im Theater ist was los
    (aus: Lola Blau)
    Georg Kreisler

  2. Wenn ich mir was wünschen dürfte
    (aus: Der Mann, der seinen Mörder sucht)
    Friedrich Hollaender

  3. La vie en rose
    Edith Piaf/ Louiguy

  4. Piefke in Paris
    Ralph Benatzky

  5. Lied eines Freudenmädchens
    (aus: Die Rundköpfe und die Spitzköpfe)
    Bertolt Brecht/ Hanns Eisler

  6. Amsterdam
    Jacques Brel

  7. Seeräuber-Jenny
    (aus: Dreigroschenoper)
    Bertolt Brecht/ Kurt Weill

  8. Nur nicht aus Liebe weinen
    Fritz Beckmann/ Theo Mackeben

  9. In der Bar zum Krokodil
    (Beda/ Walter Fitz/ Willy Engel-Berger)

  10. Lied vom Förster und der schönen Gräfin
    (aus: Herr Puntila und sein Knecht Matti)
    Bertolt Brecht, Paul Dessau

  11. Lied von der Moldau
    (aus: Schwejk im 2. Weltkrieg)
    Bertolt Brecht/ Hanns Eisler

  12. Non, je ne regrette rien
    Michel Vaucaire/ Charles Dumont


    - Pause -


  13. Bilbao-Song
    (aus: Happy End)
    Bertolt Brecht/ Kurt Weill

  14. Oh, Donna Clara
    Beda/ Jerzy Peterburski

  15. Ick kann det Tempo nich vertragn
    Otto Reutter

  16. Die Notbremse
    (aus: Höchste Eisenbahn)
    Friedrich Hollaender

  17. Die Kleptomanin
    (aus: Spuk in der Villa Stern)
    Friedrich Hollaender

  18. Lied der Arbeitslosen
    David Weber/ Hanns Eisler

  19. Das Groschenlied
    Friedrich Hollaender

  20. Fang nie was mit Verwandschaft an
    Kurt Tucholsky/ Rudolf Nelson

  21. Der zweitälteste Frauenberuf der Welt
    (aus: Lola Blau)
    Georg Kreisler

  22. Ein Neandertaler
    Günter Neumann

  23. Kinder, heut‘ abend, da such‘ ich mir was aus
    (aus: Der blaue Engel)
    Robert Liebmann/ Friedrich Hollaender





Hören Sie mal rein:

Einen Teil dieses Programmes finden Sie auch auf der CD "Lebenzeichen" von Gabriele Kentrup: Die CD "Lebenszeichen" die Sie direkt bei der Künstlerin bestellen können.





Und das sagen die anderen:

Aktuelle Pressestimmen, Kritiken und Rezensionen zum Programm "Wenn ich mir was wünschen dürfte" von Gabriele Kentrup finden Sie hier:


Pressestimmen und Rezensionen zu diesem Programm.





Das bunte Tingeltangel – es ist das kabarettistische Hollaender-Thema, das er immer wieder aufgreifen wird. Schon als Kind hatte er, wie er sich noch als alter Mann erinnert, Clown werden wollen. Am liebsten Musicalclown: "Das war mein Traum eigentlich, weil ich das auch als Kind immer so gemacht habe. Ich hab mich da ans Klavier gesetzt und habe irgendwas Klassisches gespielt, und dabei bin ich unvermutet – wie das Publikum dachte – durch den Aufprall eines Akkords vom Stuhl geflogen, auf die Erde, habe mich wieder erhoben, habe was Komisches dazwischen gespielt. Also, all das, was so ein Musical-Clown machen würde."

Später will er noch höher hinaus: "Ich möchte Circus-Direktor sein!" bekennt er Anfang der zwanziger Jahre im Programm-Heft des Schall und Rauch-Kabaretts: " Denn da kann ich immerzu auf einem Kamel reiten, wo zwei Busen auf dem Rücken hat und eigentlich Dromedar heißt, ohne nach den schwarzen Ländern zu fahren, die Ballettmädchen gar nicht mitgerechnet ..." Er möchte Cirkusdirektor sein, kurz "C.D." genannt, denn "so ein Mann ist unnahbar und hat eine Peitsche im Wappen. Es gab mal einen, der schlug sogar einen Kritiker tot, weil der sich aufs hohe Pferd setzte, ist das nicht fein? Ich möchte C.D. sein ... denn da würde ich ein Schwein dressieren, daß es seinem Namen Ehre machte." Die Schall und Rauch-Groteske klingt wie die Fortsetzung des Kindertraums: "Ich möchte C.D. sein, ich sags nochmal. Basta! Sie hören von mir!"

(aus: "Spötterdämmerung" - Das lange Sterben des Friedrich Hollaender)





Friedrich Hollaender über Musik im Kabarett:

"Denn, was ein weiteres Gesetz der Cabaret-Musik sein sollte, das ist die Aggressivität, die sie von aller Opern-, Lied- und Symphonie-Musik in alle Ewigkeit unterscheidet. Ein Cabaret ohne Angriffsfreudigkeit, ohne Kampflust ist lebensunfähig. Es ist das gegebene Schlachtfeld, auf dem mit den einzig sauberen Waffen geschliffener Worte und geladener Musik jene mörderischen aus Eisen in die Flucht geschlagen werden können".

(Weltbühne, 1924)





"Der Effekt, der im Kabarett aus den Stimmungskontrasten gezogen wird, ist wirklich unüberbietbar; wenn man bedenkt, daß von achthundert Menschen unter tausend das Kabarett als harmlose Amüsierstätte angesehen und besucht wird, kann man den gesunden seelischen Schock ermessen, den ein zwischen zwei parodistischen Lustigkeiten hingepfeffertes Chanson auslösen kann; hier kann – wie nirgendwo anders – unter dem Deckmantel entspannender Abendunterhaltung plötzlich eine Giftoblate verabreicht werden, die, suggestiv eingegeben und hastig verschluckt, weit über den harmlosen Abend hinaus das gemütlich rollende Blut entzündet, das träge Gehirn zum Denken aufreizt."

(Friedrich Hollaender)