Berliner Schnauze mit Herz

Berliner Schnauze mit Herz - Die Gassenhauer von Claire Waldoff, der Krawallschachtel, die zur Kabarettkönigin der zwanziger Jahre wurde.


Premiere: 15.09.2001.
Freie Waldorfschule in Münster-Gievenbeck

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Der Beginn des Kabaretts in Deutschland vor 100 Jahren war eng verknüpft mit einem Namen: Claire Waldoff. Untersetzt und mit flammend rotem Haar entsprach sie keineswegs dem Schönheitsideal von Künstlerinnen jener Zeit. Claire Waldoff aber war ein Original. Sie galt als komische Nudel, als stimmgewaltige Krawallschachtel, als Ur-Berlinerin. Mit ihren Künstlerfreundinnen und –freunden, unter ihnen der Maler Heinrich Zille, zog sie rauchend und trinkend durch das nächtliche Berlin und holte sich dort die Inspiration für ihre Lieder. Und diese verkörperten im Gegensatz zu den Chansons der ,eleganten Welt‘ ein Stück unverfälschten Berliner Menschendaseins.

 



 

 Foto von Rainer Golembiewski, März 2010

 

 

 

 

Hörproben auf CD 2 Titel 15-19, hier: Warum liebt der Wladimir jrade mir? 

Das Programm:

Ein Klick auf die unterstrichenen Titel liefert Ihnen einen Auszug aus dem Originaltext des Liedes in einem separaten Fenster:

1. Es gibt nur ein Berlin
(Willi Kollo)

2. Man ist nur einmal jung
(Rudolf Bernauer/Richard Fall)

3. Das Schmackeduzchen
(Hermann Frey/Walter Kollo)

4. Nach meine Beene is ja janz Berlin verrückt
(Hermann Frey/Walter Kollo)

5. Mutters Hände
(Kurt Tucholsky/Claus Clauburg)

6. Morgens willste nich, und abends kannste nich!
(Emil Hartmann)

7. Warum liebt der Wladimir g'rade mir?
(Robert Gilbert/Hans May)

8. In Tegel, Tegel gibt`s lockre Vögel
(Franz Schmidt-Hagen)

9. Warum soll er nicht mit ihr...?
(Walter Mendelssohn)

10. Der Einbruch bei Tante Klara
(Hans Hyan/Käte Hyan)

11. Solange nicht die Hose am Kronleuchter hängt
(Hermann Frey/Walter Kollo)

12. Wegen dir hab ich meine jute Stellung bei Tietz aufjejeben
(Erich Einegg)

13. Hannelore
(Willy Hagen/Horst Platen)

14. Oh, wie praktisch ist die Berlinerin
(Friedrich Hollaender)

15. Raus mit den Männern aus dem Reichstag!
(Friedrich Hollaender)


Pause


16. Lieber Leierkastenmann
(Willi Kollo)

17. Wat braucht der Berliner, um glücklich zu sein?
(Werner Hassenstein/Fritz Paul)

18. Maskenball im Ziegenstall
(Hermann Frey/Walter Kollo)

19. Max, du hast das Schieben raus
(Hermann Frey/Walter Kollo)

20. Lied von der Harfenjule
(Walter Mendelssohn/Paul Strasser)

21. Wenn der Bräutigam mit der Braut
(F.W.Hardt/Walter Kollo)

22. Die Radpartie
(Helmut Mankiewicz)

23. Danach
(Kurt Tucholsky)

24. Wegen Emil seine unanständ'ge Lust
(Julian Arendt/Paul Strasser)

25. Dünn oder dick
(Willi Kollo)

26. Mein Paulchen ist weg
(Felix Josky/Otto Stransky)

27. Das war sein Milljöh
(Hans Pflanzer/Willi Kollo)

28. Warum kiekst du mir immer auf die Beene?
(Harry Waldau)

 



Das sagen die anderen...

Aktuelle Pressestimmen, Kritiken und Rezensionen zum Programm "Berliner Schnauze mit Herz" von Gabriele Kentrup finden Sie hier:

Pressestimmen und Rezensionen zu diesem Programm.

 


 

Berlin, das war für Claire Waldoff Liebe auf den ersten Blick. Hier gab es mehr als 100 Bühnen, daneben unzählige Etablissements, Bars, Cafés, Bierlokale, in denen Künstler auftreten konnten. Claire wußte sofort, hier gehörte sie hin. Schon in ihrer ersten kleinen Rolle im Nollendorf-Theater fiel ihr Talent fürs Komische auf. Ermutigt durch ihren Erfolg sprach die Anfängerin daraufhin im größten, besten und teuersten Kabarett, dem "Roland von Berlin" vor.
(aus: Kabarettgeschichte(n))

 


 

"Sehr verehrte Herrschaften! In den exotischen Blumenbeeten unserer Künstlerinnen vertritt Claire Waldoff die Spezies der echten Berliner Pflanze. Lassen Sie nun das urwüchsige Parfüm dieser Blüte über sich ergehen."
(Ankündigung der Waldoff bei einem ihrer Konzerte).

 


 

Im Gegensatz zu den Chansons der ,eleganten Welt‘ verkörperten die Lieder der Claire Waldoff ein Stück unverfälschten Berliner Menschendaseins. ... Ihre Themen sind Berliner Liebe, Berliner Frauen, der Bräutijam, die Witwe, sozial gehobene Zillegestalten mit der unbekümmerten, unbeschwerten, problemfreien geschlechtlichen Triebkraft. Eine Erotik ohne Umschweife: infolgedessen unanstößig.
(aus: Wer schmeißt denn da mit Lehm?, Helga Bemmann)

 


 

"Ich bin und bleibe Volkssängerin – das ist meine Mission. Ich will vom Leben singen, vom Volk für das Volk, von der Zeit und ihren Nöten. Zur Erfüllung dieser schönen und schweren Aufgabe gehört, das können Sie mir glauben, viel Menschenkenntnis und Einfühlung ins Zeitgeschehen, eine feine Witterung dafür, was Freude machen könnte, und nicht zuletzt ein großer Fleiß und eine tiefe Liebe zu den Menschen und Dingen."
(Claire Waldoff in " Weeßte noch?").

 


 

Alter Berliner Scherzvers:

"Ick sitze so und esse Klops –
uff eenmal kloppt’s ...
Ick kieke, staune, wundre mir –
Uff eenmal jeht se uff die Tür.
Nanu, denk ich, ick denk nanu,
jetzt jeht se uff, erst war se zu.
Nu jeh‘ ick raus und kieke –
Und wer steht draußen? Icke!

 


  

"Wat, der olle Affe is frech zu dir jewesen! – Junge, dem hätte ich eens in sein Jesangbuch gegeben, det ihm de Zähne wie Noten an die Backe lang jeloofen wär’n!"
(belauschtes Gespräch in einer Elektrischen)

 


 

In der Ecke des Hofes "knickerten" zwei Jungen mit Murmeln vor sich hin. Da ging oben ein Fenster auf und eine Frau rief zu einem der Jungen: "Emil! Sollst sofort ruffkommen!". Der kleine Emil reagierte nicht. Dann knallte das Fenster noch einmal und der gleiche Ruf erscholl. Nun sagte der andere Junge zu Emil: "Hast du nich jehört? Du sollst ruffkommen zu deiner Ollen." Emil regte sich bedächtig und meinte ganz ernst: "Wat heeßt hier deine Olle? For dir immer noch Frollein Lehmann!"
 

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